Worte Barba Noras

 

Aus dem Zitatenschatz des Predigers


Der Wunderprediger ist ein Meister des Wortes. In seinem wunderbaren Brevier "Himmel & Hölle hat er sie zusammengetragen. Genießet eine Auswahl an dieser Stelle:

 

Barba Noras Inventar der Reliquien ...

 

Obwohl natürlich
sein Fundus grundsätzlich unerschöpflich
und destohalben ständig erweitert und ergänzt würde,
ebenso man auch die Möglichkeit in Betracht ziehen muss
dass es Barba Nora ein leichtes wäre,
eine passende Reliquie für jedweden Bedarf
wohl umgehend zu beschaffen ...

 

Ein Zahn aus dem Maul des Drachen, den der heilige Georg erlegte
... gegen böse Schwiegermütter

 

Ein Nagel von der Arche Noah
... gegen Hochwasser und Fußschweiß

 

Ein Stück des Rostes, auf dem der heilige Laurentius geröstet wurde
... gegen Rostschäden am Gewande sowie das Entflammen der Begierden ...

 

Der Stein von der Schleuder des David
... gegen Sturz vom Pferd und Schwäche des Geistes

 

Der Hufnagel vom Pferd des Heiligen Martin
... zum Schutze der Reisenden gegen Wegelagerer, Strauchdiebe und Scharlatane

 

Der Fuß eines Springteufels
... gegen schwarze Magie und die üble Nachrede böser Weiber

 

Ein Zahn aus dem Maul des Walfisch, der den Jonas verschluckt und wieder ausgespien hat
... gegen Sodbrennen und Verstopfung

 

Der Stein, der als erster geworfen wurde
... gegen den Stolz, eine der sieben biblischen Todsünden

 

Ein Strohalm aus der Krippe, auf dem das heilige Jesuskindlein schlief
... gegen Schlaflosigkeit und Alpträume

 

Ein Fläschchen Fußwaschwasser in der Fußwaschwasserflasche mit dem Fußwaschwasserflaschenschraubverschluss
... gegen Zehenfäule sowie Maul- und Klauenseuche

 

Der Zahn der Zeit
... der an Euch nagt als ewige Ermahnung dass Ihr Staub seid und zum Staube zurückkehren werdet

 

 

Barba Noras starke Sprüche ...

 

Ergötzliches, Wahres, Nachdenkenswertes,
Freundlichkeiten und Unverschämtheiten
aus des Wunderpredigers Munde,
vor welchen er sich wahrlich
kein Blatt zu nehmen
pflegt.

 

Allgemeine Lebensweisheiten ...

 

Nur wer richtig schlechte Laune hat, hat auch richtig gute.
(Lebensmotto von Barba Nora)

 

Man muss das Geld von den Leuten nehmen, von den Bäumen kann man´s nit schütteln.
(Alte Kirchenregel)

 

Wer einmal gut leben will, der nehme ein Huhn,
wer zweimal gut leben will, der schlachte eine Gans,
wer eine Woche gut leben will, der steche eine Sau,
wer ein Jahr gut leben will, der nehme ein Weib,
wer ewig gut leben will, der werde ein Pfaff.
(Barba Nora beherzigte die Weisheit und wurde so Mönch)

 

Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage.
(Ein Narr)

 

Ein wahrer Feind verlässt dich nie!
(Barba Nora 2001)

 

Lieber zu viel gegessen als zu wenig getrunken
(Spruch der Fahrenden)

 

Iss, was gar ist, trink, was klar ist, sag, was wahr ist!
(Barba Nora, 2000)

 

Wenn man den Hasen hat, wird sich die Pfanne schon finden
(Gauklerweisheit)

 

... Stoßgebete ...

 

Oh Herr, lass das Gras schneller wachsen, die Ochsen werden immer mehr!.
(Ein Weiser der Marksburg, 1999)

 

... das Weib im allgemeinen ...

 

Das Weib ist das Paradies des Auges, das Fegefeuer des Beutels und die Hölle der Seele.
(Barba Nora, 1997)

 

Das Weib ist aus der Rippe des Mannes geschaffen, daher ist ihr Charakter verbogen und dem Manne zugeneigt.
(etwas eigenwillige aber plausible Schöpfungstheorie von Barba Nora)

 

Ein Weib braucht nur so viel Verstand, um höfisch und gesittet zu sein, wenn sie mehr Verstand hat, so soll sie die Weisheit besitzen, es nicht zu zeigen.
(persönliche Ansicht von Barba Nora)

 

Der Herr hat den Menschen mit einem Mund, aber zwei Ohren erschaffen. Daher sollten auch die Weiber doppelt so viel hören als reden.
(persönliche Auslegung von Barba Nora)

 

Was der Teufel nicht weiß, weiß ein altes Weib
(Volksweisheit)

 

... und schließlich einige wahrlich starke Predigtworte!

 

Der Mann ist für das Fegefeuer, das Weib für die Hölle.
(Barba Nora zu einem Weibe, das ihn zu unterbrechen wagte)

 

Ich bete für Euch, dass Euch die Dummheit nie verlässt, sonst wärt ihr ganz allein auf der Welt!
(Barba Nora zu einem Marktvogt, der ihm den Mund verbieten wollte)

 

Früher hat der Dreck gestunken, jetzt redet er schon.
(Barba Nora zu dem Narren Dreyfuß, als ihn unterbrechen wollte)

 

Lesung aus dem ersten Buch der Jongleure


Eine gauklerhafte Schöpfungsgeschichte,
aufgeschrieben von einem Weggefährten Barba Noras,
auf eine ganz eigenwillige Art,
obgleich Barba Nora zur Auffassung neiget,
dass, wenn es sich so nicht ereignet hat,
es doch ganz leicht so hätte stattfinden können.

 

Am Anfang hob der Jongleur seine Arme; die Hände aber waren öde und leer; das Nichts lag in den Fingern, und der Geist des Jongleurs ruhte auf ihnen. Der Jongleur sprach: Es werde Rund! Und es wurde Rund. Der Jongleur sah, dass das Rund gut war. Der Jongleur schied das Runde vom Flachen, und er nannte das Runde Ball und das Flache nannte er Boden. Es wurde Ball, es wurde Boden: das erste Werk.

 

Dann sprach der Jongleur: Eine Flugbahn entstehe, parabelförmig, aus dem Wurf des Balles von der einen zur anderen Hand. Der Jongleur machte also den Wurf und ließ eine Flugbahn entstehen, parabelförmig, von einer Hand zur anderen. Der Jongleur sah, dass der Wurf gut war, und der Jongleur warf den Ball nochmals und abermals. Es wurde Werfen, es wurde Fangen: das zweite Werk.

 

Dann sprach der Jongleur: Zwei Bälle sammeln sich in einer Hand, damit die andere Hand frei werde. So geschah es. Der Jongleur sah, das es gut war. Dann sprach der Jongleur: Die Hand lasse die Bälle fliegen in allen Arten von Formen. So geschah es. Die leere Hand steckte der Jongleur in die Tasche, mit der anderen aber warf er beide Bälle in allen Arten von Formen. Und der Jongleur nannte die Zwei-Ball-Jonglage Säule. Es wurde Ball, es wurde Säule: das dritte Werk.

 

Dann sprach der Jongleur: Ein dritter Ball soll in der freien Hand sein, um Zwei-Ball- von Drei-Ball-Jonglage zu scheiden. Er soll Zeichen sein und zur Bestimmung des Jongleurs dienen; er soll zusammen mit den anderen Bällen in der Luft sein und über die Erde dahinfliegen. So geschah es. Der Jongleur nahm den dritten Ball und warf ihn in einem Muster mit den anderen in die Luft. Und der Jongleur nannte die Wurfform Kaskade. Der Jongleur sah, dass es gut war. Es wurde Ball, es wurde Kaskade, das vierte Werk.

 

Sodann sprach der Jongleur: In der Luft wimmle es von Bällen, und sie sollen über dem Boden am Himmelsgewölbe dahinfliegen. Der Jongleur schuf alle Arten von großartigen Übungen und Tricks. Der Jongleur sah, dass es gut war. Der Jongleur nahm die Bälle und sprach: Seid fruchtbar für die Geschicklichkeit und vermehret die Konzentration. Es wurden Übungen, es wurden Tricks, das fünfte Werk.

 

Dann sprach der Jongleur: Es ist nicht gut, dass der Jongleur allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen als sein Gegenstück. Gemeinsam sollen sie herrschen über die fliegenden Bälle, über die schwebenden Ringe, über die wirbelnden Keulen und über alles zuwerfende Gerät. Der Jongleur schuf also den Partner als sein Abbild; als Abbild des Jongleurs schuf er ihn. Der Jongleur sprach: Seid fruchtbar in neuen Ideen und vermehrtet die Freude im Publikum, bevölkert die Feste und Feiern, unterwerft sie der guten Laune und herrscht über die fliegenden Bälle, die schwebenden Ringe, die wirbelnden Keulen und über alles zu werfende Gerät. Der Jongleur sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Jonglieren, es wurde Partner: das sechste Werk.

 

So wurde das Jonglierwerk vollendet und sein ganzes Drehen, Werfen und Fangen. Als siebtes Werk vollendete der Jongleur das, was er geschaffen hatte, und er ruhte danach, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.

 

AD 1998 (Idee und Ausführung: Rudolf Baier, 1980